Prof. Dr. Sven Kommer

Medienpädagoge

Mein Name ist Sven Kommer. Ich bin seit 2013 Professor für Didaktik und Digitale Bildung an der RWTH Aachen. Meine Hauptaufgabe dort ist die Ausbildung von angehenden Lehrer*innen. Ein wichtiger Aspekt meiner Lehre ist dabei der Versuch, den Studierenden zu verdeutlichen, dass eine zukunftsfähige Schule möglicherweise ganz anders sein muss, als die Schule, die sie selber erlebt haben.

Als Medienpädagoge beschäftigen mich seit über 35 Jahren Fragen zu den Möglichkeiten, Chancen, Problemen und Veränderungen, die sich aus der rasanten Entwicklung der (digitalen) Medien ergeben. Schwerpunkte waren (und sind) dabei u.a. Werbung im Kinderfernsehen (als das private Fernsehen eingeführt wurde), Computerspiele und ihre Nutzung durch Kinder und Jugendliche, Lernen mit (digitalen) Medien – und aktuell natürlich die Folgen, die sich aus der Entwicklung generativer KI ergeben. Diese (und andere) Themen habe ich immer wieder in Forschungsprojekten bearbeitet und dazu veröffentlicht.

Dass die je aktuellen ‚neuen‘ Medien Gesellschaft zum Teil massiv verändern, wird auch schon in der Vergangenheit immer wieder zum Thema. Aktuell erleben wir hier aber eine Beschleunigung, die noch vor nicht allzu langer Zeit kaum vorstellbar war. In der Folge verändert sich auch Gesellschaft rasant. Alte Gewissheiten und Strukturen (z.B. die Idee der Presse als 4. Gewalt im Staat) erodieren innerhalb kürzester Zeit, ‚Disruption‘ ist zum neuen Schlagwort geworden. Gesamtgesellschaftlich bedeutet dies, dass ‚Medienkompetenz‘ und ‚Medienbildung‘ endgültig zu einer zentralen Grundlage demokratischer Gesellschaften werden. In meinem Alltag erlebe ich aber, dass (wie auch die einschlägigen Studien zeigen) das deutsche Bildungssystem hier großflächig versagt. Weder gelingt es, die Reste dessen, was einmal ‚Bildung‘ war (nicht zuletzt im Sinne einer Selbstermächtigung des räsonierenden Bürgertums) als sinnhaften Kern einer europäischen Kultur zu vermitteln, noch die grundlegenden Kompetenzen, um sich in der aktuellen, von Vernetzung, Algorithmisierung und neoliberalen Marktinteressen geprägten Medienwelt adäquat und demokratieförderlich zu bewegen.

Mein Engagement im Bildungsforum zielt darauf, dazu beizutragen, dass der unbedingt notwendige Wandel von Schulkultur und Bildungssystem nicht in einer fernen Zukunft, sondern bald und anforderungsgerecht stattfindet. Ideen dafür gibt es wahrlich genug – woran es mangelt sind Wege und Gelegenheiten, diese auch in die Praxis zu bringen.